Kanzlei Lachenmann Onlinerecht IT-Recht

Hasst man beim „Tatort“ Anwälte?

Der letzte Dienstag war wieder ein typischer Tatort-Tag: Zwei Mal Tatort, zwei Mal die Anwälte äußerst negativ dargestellt. Das scheint System zu haben; immer wenn im Tatort Anwälte auftreten, sind diese schmierig, geldgierig, in schmutzige Machenschaften vermittelt, hinterlistig, etwas verrückt – oder gar der Mörder. Letzteres ist natürlich im Tatort weniger überraschend. So oft Anwälte im Tatort auftauchen – dann, wenn sie eigentlich gezeigt werden müssten, fehlen sie meist: Bei Vernehmungen von Beschuldigten.

Klar zu sehen war dies bei den am 1. Januar gezeigten Filmen: Im neuen Tatort aus Köln ist die Anwältin dann zwar doch nicht die Mörderin, aber verkörpert ansonsten alle Klischees: geldgierig, schleimig und vorlaut und natürlich ihre Mandanten betrügend um mehr Geld zu verdienen. Im zweiten Tatort, einer Wiederholung aus Saarbrücken, ist der Anwalt ein Stalker, der seine Fähigkeiten ausnutzt, um seinen Opfern gnadenlos an den Karren zu fahren – zum Glück wird er vom gewieftem Polizisten in eine Falle gelockt. So geht das regelmäßig: Die Anwälte intrigieren und betreiben Vetternwirtschaft. Ernsthafte Arbeit wird kaum gezeigt.

Im Tatort fehlen: Die Rechte des Beschuldigten

Das mag man aushalten müssen, jedoch wird diese Tatort-Praxis in einem Punkt wirklich bedenklich: Wenn nie gezeigt wird, wie wichtig der Anwalt für einen Beschuldigten ist. Die Vernehmungen der Verdächtigen finden eigentlich immer ohne Anwalt statt – kein Wunder, dass sich die Verdächtigen schnell um Kopf und Kragen reden. Ich finde das sehr kritisch, wenn Woche für Woche einem Jedem vorgegaukelt wird, er habe den Polizisten nichts entgegenzusetzen, sondern müsse sich allen Befehlen von oben fügen. Die Besprechung eines Falls und des Vorgehens zwischen Beschuldigtem und Anwalt ist elementar für die Ausübung der zustehenden Rechte. Insofern ist jeder gut beraten, vor irgendeiner Aussage einen Anwalt hinzuzuziehen.

Anwälte sind übrigens auch nicht so teuer, wie dies im Tatort suggeriert wird. Dort scheinen sich vor allem reiche Leute einen Anwalt leisten zu können (nur Frau von Prinz komischerweise nicht, die alles alleine übernimmt – in der Praxis wären bei der Vernehmung vermutlich drei Kollegen/-innen hinter ihr gesessen; vielleicht hat ihr Laptop daher keinen Passwort-Schutz). Im Notfall gibt es auch Hilfen von Staat. Und Anwälte müssen auch von etwas leben und für Ihre Arbeit bezahlt werden – viel ist das nur in wenigen Fällen. Immerhin bemerkte Herr von Prinz im Kölner Tatort noch in etwas schrägem Deutsch: „Anwälte leben davon, dass sie Rechnungen schreiben“. Schön, dass das erkannt wurde…

Also, liebe Tatort-Produzenten: Ihr versucht doch so oft, die Leute zu erziehen und ihnen soziale Probleme plakativ vor Augen zu führen. Da gehört auch dazu, nicht einzelne Berufsgruppen regelmäßig schlecht zu machen, sondern vor allem aufzuzeigen, was jeder Beschuldigte zu seiner Verteidigung tun kann.

Dieser Beitrag wurde in Blog, Strafrecht veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Sowohl Kommentare als auch Trackbacks sind geschlossen.

7 Kommentare

  1. klabauter
    Am 4. Januar 2013 um 13:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dass in Fernsehkrimis auch nur annähernd irgendetwas mit der Realität von Ermittlungs- oder Strafverfahren zu tun hat oder das Publikum was fürs Leben lernen kann, kann man sich wohl abschminken. Kürzlich wieder in einem Polizeiruf: Der Anwalt vertritt zwei des Mordes verdächtige „Beklagte“ gleichzeitig.
    Immer wieder schön auch Gerichtsverhandlungen in Krimis, wenn auf dem Richtertisch eine imponierende Reihe an Gesetzbüchern und Kommentaren steht, aber mit den Buchrücken nicht zum Richter, sondern zum Zuschauerraum. Und gerne noch der Palandt bei Mordprozessen.

    Oder die Anweisung der Polizeibeamten an Zeugen und Beschuldigte, „die Stadt“ nicht zu verlassen und sich zur Verfügung zu halten.

    Auch Staatsanwälte kommen meist nicht gut weg, geschweige denn hat ihre Darstellung mit der Realität zu tun: Sie sitzen in luxuriösen Büros mit guter Fernsicht, kungeln auf Empfängen, Kulturveranstaltungen oder im Bett mit der Anwaltschaft, wollen „schleunigst Ergebnisse sehen“, um befördert zu werden, liegen dabei anders als der bauchfühlende Kripobeamte stets daneben, und dann suspendieren sie Polizisten auch gerne mal.

    Also nicht verzweifeln…

  2. Am 4. Januar 2013 um 15:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Anwälte leben davon, dass sie Rechnungen schreiben“

    Falsch – sie leben davon, daß sie Dienstleistungen erbringen, die zur Bezahlung(!) einer geschriebenen Rechnung führen.

    Allerdings gibt es, wie man dem Internet entnehmen kann, Anwälte, die meinen, durch das Schreiben von unberechtigten Rechnungen ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt zu haben. Und damit wären wir wieder beim Thema „Fremdbild der Anwaltschaft“ angelangt.

  3. Am 4. Januar 2013 um 15:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @klabauter: Ja, und ausgerechnet „Ein Fall für zwei“, wo der Anwalt der Gute ist und Staatsanwälte und Polizisten immer und grundsätzlich aber sowas von auf der falschen Spur sind, wird wegen Verrentung des Herrn Matula auch bald nicht mehr zu sehen sein :)

  4. Nick Random
    Am 4. Januar 2013 um 15:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hört, hört!

  5. SoWhy
    Am 4. Januar 2013 um 21:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kurze Antwort: Ja. Und auch beim Polizeiruf etc.
    Den in Kommentar #1 erwähnten Polizeiruf z.B. hab auch gesehen und tada: Kaum war der Anwalt gezeigt, wusste man sofort, dass der der Böse gewesen sein muss.

  6. Felix
    Am 7. Januar 2013 um 17:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Ich finde das sehr kritisch, wenn Woche für Woche einem Jedem vorgegaukelt wird, er habe den Polizisten nichts entgegenzusetzen, sondern müsse sich allen Befehlen von oben fügen.“

    das verdient eigentlich nicht nur +1 sondern +5…

  7. Am 7. Januar 2013 um 18:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Heult doch ! :) Was soll ich als Immobilienmakler da erst sagen …. ! :)

2 Trackbacks

  • Von Too much information - Papierkorb - Lesezeichen vom 5. Januar 2013 am 5. Januar 2013 um 22:30 Uhr veröffentlicht

    […] Hasst man beim „Tatort“ Anwälte? – Kanzlei Lachenmann […]

  • Von willsagen.de » Blog Archiv » Nicht _alle_ Anwälte sind böse. am 6. Januar 2013 um 10:41 Uhr veröffentlicht

    […] Hier regt sich eine  Rechtsanwältin über die Ihrer Meinung nach falsche und zu negative Darstellung von Rechtsanwälten im TV, explizit im Tatort, auf. Immer sei es der Anwalt, der als schmieriger, geldgeiler Geselle (Gesellin) dargestellt werde, der nur an den eigenen Vorteil denke und selbst Mandanten übervorteile. Dabei sei es gerade der Anwalt, der für die Betroffenen eine sehr wichtige Funktion übernehme. […]